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aus dem Bundesverband

Jahrestagung 2020 des LVMP NRW e.V. Museum gegen rechts: informieren, reagieren, handeln

Museum gegen rechts: informieren, reagieren, handeln

Di 31.03.2020, 12 – 17 Uhr

Dortmund, Dietrich-Keuning-Haus, Leopoldstr. 50 – 58, 44147 Dortmund

Spätestens wenn die Grundlagen einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft in Frage gestellt werden, müssen auch Museen Haltung zeigen. Doch wie politisch kann, will, darf, muss die Museumsarbeit sein? Die Jahrestagung des Landesverbandes Museumspädagogik Nordrhein-Westfalen positioniert sich zur gesellschaftlichen Rolle von Museen als öffentliche „Einrichtungen im Dienste der Gesellschaft und ihrer Entwicklung“ (ICOM). Sie schließt damit an die Tagung des Bundesverbandes 2018 an, die bereits Fragen nach den politischen Dimensionen Kultureller Bildungsarbeit diskutierte. Klaus Vogel stellte dazu in Dresden fest: „Wir können nicht davon ausgehen, dass die Bedrohung der demokratischen, offenen Gesellschaft einen Bogen um die Museen macht… noch nie seit 1945 war es so ernst, noch nie waren Ressentiments gegen die als abgehoben bezeichneten Eliten, gegen Intellektuelle oder gegen vermeintliches Gutmenschentum so häufig und so rabiat … Wir müssen auch vorbereitet sein auf vielfältige Angriffe, auf Infragestellungen, auf Gefährdungen, auch von handelnden Personen. Das heißt: Wir brauchen einen Plan. Jedes Museum braucht einen Plan!“ 

Die Tagung thematisiert daher, wo und wie sich diskriminierende rechtspopulistische und antidemokratische Einstellungen, Anwürfe und Aktivitäten äußern und wie ein angemessener Umgang des Museums aussehen kann. Ziel ist es, Handlungsunsicherheiten abzubauen sowie Lösungsansätze und Strategien zur Demokratiestärkung zu entwickeln. In Vorträgen, Workshops und kollegialen Austauschrunden fragen wir nach den verschiedenen Akteur*innen und Plattformen: Seien es Besucher*innen, die sich über Ausstellungsinhalte, Objekte oder Mitarbeitende diskriminierend äußern oder das Museum für antidemokratische Aktivitäten instrumentalisieren, auch in den sozialen Medien. Seien es (freie) Mitarbeiter*innen oder Ehrenamtliche, die sich mit rechtem und parteipolitischem Gedankengut in der Vermittlungsarbeit positionieren. Oder seien es rechte Gruppierungen und Parteien, die die Freiheit von Kunst und Wissenschaft angreifen, gegen Ausstellungs-, Museums- und Haushaltspläne polemisieren und an einer Renationalisierung von Kultur arbeiten. Im Ausblick möchte die Tagung schließlich das Potenzial von Museen aufzeigen, die Diskurse über Akzeptanz und den Umgang mit diversen kulturellen Identitäten und Zugehörigkeiten, Menschenrechten und sozialer Gleichstellung für das zukünftige gesellschaftliche Zusammenleben in einer Demokratie fortzuentwickeln.

Die Jahrestagung richtet sich insbesondere an Fachpersonen der musealen Bildung und Vermittlung, der Museumsarbeit, von Bildungseinrichtungen sowie an Studierende und ehrenamtlich Engagierte, die in Museen tätig sind.

Programm (Download als pdf)

Ab 9.00 Uhr  Ankommen

9.30 Uhr       Mitgliederversammlung des Landesverbandes Museumspädagogik NRW e.V.

11.00 Uhr      Ankommen und Mittagsimbiss

12.00 Uhr      Begrüßung

12.15 Uhr      Keynote
                      Rechte Kulturen? Rechtspopulistische Überzeugungen und Kultur 

                      Prof. Dr. Fabian Virchow, FORENA Forschungsschwerpunkt 
                      Rechtsextremismus und Neonazismus, Fachhochschule Düsseldorf

13.00 Uhr      Nazis im Wolfspelz – Museen und extrem rechtes Reenactment
                      Karl Banghard, Museumsleiter Archäologisches Freilichtmuseum Oerlinghausen

14.00 Uhr      Tee- und Kaffeepause

14.30 Uhr      5 Workshops

  1. Antisemitismus Früher – Heute“  
    Astrid Wolters, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf
     
  2. Kollegiale Fallberatung: Information, Austausch, Reflexion
    Karl Banghard, Archäologisches Freilichtmuseum Oerlinghausen 
    Reinhard Fromme, KreisMuseum Wewelsburg 
    Johanna Gesthuysen, Vogelsang IP, EL-DE-Haus Köln
     
  3. „Was sage ich, wenn…“ Argumente gegen rechts
    Rechte Parolen sind nicht nur an deutschen Stammtischen präsent, sondern überraschen uns auch in verschiedensten, auch unpolitischen, Situationen. Um solche Parolen entkräften zu können, besprechen wir mit Ihnen diese und lernen den richtigen Umgang mit derartigen Äußerungen. Ziel ist es, das Schema der rechten Argumentationslinien erkennbar zu machen, und Ihnen dabei zu helfen, ausgrenzenden und diskriminierenden Aussagen entschlossen entgegenzutreten. 
    Ralf Beltermann und Patrick Pais Pereira, DGB Dortmund 
     
  4. (National-)Soziale Medien? Museen zwischen „Lolocaust“ und „Merkel-Regime“
    Die dialogische Kommunikation auf Twitter, Facebook und Co. kann erhebliche Herausforderungen für Museen mit sich bringen, wenn ihre Themen politisch sind oder von den Nutzer*innen politisiert werden. In den Kommentarspalten der Plattformen können sich unter Postings heftige Diskussionen entwickeln, bei denen es oft nur vordergründig um das eigentliche Thema geht – eigentlich sind diese Konflikte Teil des kulturpolitischen Versuchs von Rechts, durch dauernde Präsenz und Dominanz die Deutungshoheit im Netz zu erringen und durch Normalisierung zu festigen. Aus diesem Grund werden sogar Themen politisiert, bei denen das wenig erwartbar scheint, was wiederum die Häuser besonders herausfordert, die selten in politischen Kategorien denken müssen.  Wie sollen Museen als "digitale Hausherren" und Moderatoren auf diese Übergriffe reagieren? Ignorieren und aushalten? Als "Marktplätze der Ideen" und "Foren der Gesellschaft" ganz bewusst laufen lassen? Löschen, sperren, melden? Sich inhaltlich einmischen? Und wenn ja, wie? Seriös und ernst oder ironisch und schlagfertig? 
    Ralf Raths, Direktor Deutsches Panzermuseum Munster 
     
  5. Kulturkampf von rechts – Umgang mit (extrem) rechten Kommunikationsstrategien
    Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus NRW – Regierungsbezirk Arnsberg           

16.30 Uhr     Resümee und Ausblick auf weitere Veranstaltungen des LVMP NRW e.V.

17.00 Uhr     Ende der Veranstaltung

Bitte füllen Sie zur Anmeldung diesen Anmeldebogen aus und senden das ausgefüllte Formular bis zum 25.03.2020 an pluempe_a@yahoo.de.