Praxis

Lokale Bündnisse

Mädchen aus Neumünster entwerfen und schneidern ihre eigene Mode, Schüler aus Erlangen sammeln Geräusche und Klänge ihrer Stadt, Dortmunder Kinder formen aus ihren Körpern lebendige Bilder und fotografieren sie. Dies sind die ersten von mehreren hundert Aktionen bundesweit. Was alle verbindet, ist eine Box zur Präsentation der Ergebnisse: die „MuseobilBOX“.

Mehr als 100 lokale Bündnisse für Bildung sind bundesweit aktiv.

Mit Farbe und Pinsel entstehen aus den Boxen kleine Kunstwerke. (Foto: LWL-Industriemuseum, A. Hudemann)

Ob ein Projekt im Rahmen der MuseobilBOX als Workshop, Ferienprogramm oder als Nachmittagsbetreuung konzipiert wird – verschiedene Vermittlungskonzepte sind geeignet, um die Zielgruppe der bildungsbenachteiligten Kinder und Jugendlichen zwischen 3 und 18 Jahren direkt in ihrer Lebenswelt abzuholen. Ausgehend von der museumsübergreifenden Fragestellung „Was aus meinem Leben sollte in einem Museum für die Menschen der Zukunft aufbewahrt werden?“ können Kinder und Jugendliche – vielfach zum ersten Mal – ein Museum besuchen. Sie lernen diese, für sie fremde Institution mit all ihren Arbeitsfeldern kennen und beschäftigen sich mit authentischen, dreidimensionalen Museumsobjekten aus Vergangenheit und Gegenwart, mit fremden Kulturen oder vergangenen Techniken. Außerdem erfahren sie etwas über die Arbeitsmethoden eines Museums – das Sammeln, Erforschen, Ausstellen und Vermitteln. Gleichzeitig sind sie aufgefordert, sich mit ihrer Lebenswelt und für sie persönlich wichtigen Fragen zu befassen.

Wesentlich ist bei dem initiierten Förderprogramm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung die Eröffnung neuer Bildungschancen – vor allem für benachteiligte Kinder und Jugendliche, die durch die lokalen Bündnisse spannende Impulse erfahren, Herausforderungen erleben und in Kontakt zu Vorbildern kommen. Kulturelle Bildung soll ihnen eine Perspektive geben, ihre Kompetenzen und ihr Selbstbewusstsein stärken und ihnen Anerkennung vermitteln. Zugleich stoßen die Bündnisse schon jetzt eine neue soziale Bewegung für gute Bildung an, indem Ehrenamt und bürgerschaftliches Engagement gestärkt werden. Eine tragfähige Vernetzung unterschiedlicher Bildungsakteure auf lokaler Ebene, möglichst nah an den Kindern und Jugendlichen, zu fördern, ist ein weiteres, wichtiges Ziel. Und nicht zuletzt wird kulturelle Bildung in die Breite getragen – genau zu den Kindern, die bislang am weitesten von ihr entfernt sind.

Ausstellungseröffnung der "Entdeckerboxen" in der Kunsthalle Emden (Foto: Kunsthalle Emden)

Wie erfolgreich lokale Bildungsbündnisse im Rahmen der MuseobilBOX des Bundesverbandes Museumspädagogik kulturelle Teilhabe für Kinder und Jugendliche umsetzen wird im virtuellen Musuem unter www.museobilbox.org sichtbar. Die lokalen Bündnisse sind nicht nur über eine Deutschlandkarte lokalisierbar, vielmehr kann die MuseobilBOX jedes einzelnen jungen Teilnehmers aufgerufen werden. Kinder und Jugendliche können dort Bilder, Audiodateien oder Filme ihrer gestalteten Boxen an Freunde verschicken. Da das Museum bis 2017 ständig wächst, lohnt sich – wie in „echten“ Museen auch – ein wiederholter Besuch.

Alle Boxen und Projekte finden Sie unter www.museobilbox.org