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Arbeitsgruppe „Barrierefreie Museen“

Die Arbeitsgruppe „Barrierefreie Museen“ wurde 1995 durch Mitglieder des Bundesverbandes Museumspädagogik e. V. gegründet. Es ist ihr Ziel, den Austausch unter Kollegen zu fördern, Fortbildungen zu organisieren und die Entwicklung der Museen zu barrierefreien Institutionen zu unterstützen.

Sprecher der Arbeitsgruppe ist:
Folker Metzger
Bildungsreferent

Klassik Stiftung Weimar
Referat Forschung und Bildung
Burgplatz 4, D-99423 Weimar
PF 2012, D-99401 Weimar

Telefon +49-(0)3643-545-562
Telefax +49-(0)3643-545-569

Folker.Metzger@klassik-stiftung.de
www.klassik-stiftung.de


Rezension und Buchempfehlung: Das barrierefreie Museum

Wenn gleich die Herausgeber mit ihrer 500 Seiten starken Publikation nicht gerade ein barrierefreies Buch vorlegen, halten sie doch was der Titel verspricht. Es dreht sich bei der vorliegenden Publikation um ein Handbuch, welches, dank seiner guten Gliederung, tatsächlich als ein solches zu verwenden ist. Jeder der 31 Aufsätze trägt zu einem ambitionierten und erhellenden Gesamtbild der Praxis und der Diskussion barrierefreier Ausstellungsgestaltung bei. In diesem Ensemble durchaus heterogener Beiträge wird besonders deutlich, wie sehr der Gedanke der Barrierefreiheit die Arbeit eines jeden Museumsmitarbeiters durchdringen muss und wie sehr Fortschritt und Erfolg der Barrierefreiheit von einer systematischen und konsequenten Aufnahme des Themas in sämtliche Teilbereiche der Museumsarbeit abhängen. Der ebenso umfangreiche wie aufschlussreiche internationale Vergleich stellt auch heraus, welche Defizite in Deutschland nach wie vor bestehen. Das sich in der Frage der Barrierefreiheit in den deutschen Museen bisher wenig entwickelt hat, wird auch daran deutlich, dass die dargestellten Fallbeispiele und Vorbilder seit vielen Jahren die gleichen sind. Immer noch gibt es zu wenige Häuser, die sich dem Thema umfassend gewidmet haben. Auch aus diesem Grund sollte dieser Band auf einem jedem Schreibtisch leitender Museumsmitarbeiter zu finden sein.

Trotz der uneingeschränkten Empfehlung soll aber im Folgenden auf einige grundsätzliche Mängel hingewiesen werden, die auch zur Orientierung in der Verwendung dienen. Die Vielfalt der angesprochenen Themen, vom barrierefreien Webauftritt bis zur Kulturförderung der Europäischen Union bringt es mit sich, dass sich viele grundsätzliche Standpunkte und Einschätzungen zum Thema „Menschen mit Behinderung“ wiederholen. Leider arbeiten sich zahlreiche einzelne Beiträge immer wieder an den selben Fragen ab. Idealerweise hätten gewisse Grundlagen des Umgangs mit Behinderten im Vorwort bzw. in den Beiträgen des einführenden Kapitels „Museen und Barrierefreiheit“ abgehandelt werden sollen. Hier wäre es wichtig gewesen, grundlegende und nicht hintergehbare Prämissen der Diskussion um Menschen mit Behinderung darzulegen. Eine Darstellung von Menschen mit Behinderung als wichtige Zielgruppe reduziert diese wiederum auf ihre Behinderung und spricht sie nicht vorrangig als eine interessiertes Publikum an. Auch ein Hinweis auf den sensiblen Umgang mit jeweiligen Bezeichnungen hätte dem Thema von vorne herein eine klare Ausrichtung gegeben, die zwar in verschiedenen Beiträgen eingefordert, aber nicht stringent durchgehalten wird. Die unterschiedliche Handhabung der Bezeichnung und der Ansprache von Menschen mit Behinderung zeigt deutlich, dass nicht Maßnahmenkataloge eine Verbesserung erwirken, sondern, dass eine intensive Auseinandersetzung unter Einbeziehung der Personen und Personengruppen stattfinden muss, denen man einen erleichterten Zugang ermöglichen möchte. Einige der Autoren stellen diese Forderung explizit. Auf der Grundlage eines so erworbenen Verhältnisses zu Menschen, die einen anderen sinnlichen oder kognitiven Zugang zur Welt haben bzw. sich den Dingen anders annähern, lässt sich mit dem nun vorliegenden Handbuch bestens arbeiten. Kaum eine wichtige Frage und keine der unterschiedlichen Gruppen von Menschen mit Behinderung wurde ausgelassen. Auch sind alle Beiträge so angelegt, dass sie systematisch zur Begleitung der Umsetzung eingesetzt werden können, egal ob es sich um Fragen des Marketings oder der Museumspädagogik, um Fragen der Kuratierung oder der Museumsleitung handelt. Besonders die Literaturangaben und die zahlreichen Kontaktadressen und Internetlinks machen das Buch zu einem Gewinn. Allerdings hätte dieser Übersicht wiederum ein thematisch gegliedertes Verzeichnis gut getan. Eine zentrale Erkenntnis und eine der Kernaussagen für die praktische Umsetzung ist, dass die eingesetzten Maßnahmen stets abteilungsübergreifend angelegt und auf die gesamte Organisation ausgreifen müssen. Dies entspricht den Anforderungen an ein modernes Management, das alle Prozesse im Museum vom Gast aus zu definieren sucht und von einer genau festgelegten Zielstellung auszugehen hat. Das Thema Barrierefreiheit muss dementsprechend grundsätzlich angelegt werden, um für die innere Struktur wie auch für alle Besuchergruppen förderlich und gewinn bringend zu sein. Nicht unerwähnt bleiben soll, dass die Herausgabe der Publikation vom Landschaftsverband Rheinland in Kooperation mit dem Bundesverband Museumspädagogik (BVMP) unterstützt wurde. Die maßgebliche Beteiligung des BVMP verantwortete die Leiterin des dortigen Arbeitskreises „Barrierefreie Museen“, Karin Maas. Der vorliegende Band dürfte auch für die zukünftige Arbeit des Verbandes eine herausragenden Bedeutung einnehmen.
Folker Metzger

Patrick Föhl, Stefanie Erdrich, Hartmut John, Karin Maas (Hg.):
Das barrierefreie Museum. Theorie und Praxis einer besseren Zugänglichkeit. Ein Handbuch.

Bielefeld 2007.
Transcriptverlag, 46,80 €.


Tagungen der Arbeitsgruppe „Barrierefreie Museen“:

  • 28.11.1999 - Behinderte Besucher im Museum. Möglichkeiten der Integration in der Museumskultur, Museum Ludwig, Köln
  • 18.11.2000 - Behinderte Besucher im Museum. Integration behinderter Menschen in die Museumskultur, Römisch-Germanisches Museum, Köln
  • 24.11.2001 - Entdeckungs-Lust, Spaß am Entdecken. Tag (auch) für Menschen mit Behinderungen in Museen, NRW Forum, Düsseldorf
  • 8.10.2004 - Hintergründe der Ausgrenzung von Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen. Die Situation im Raum Düsseldorf während der NS-Zeit und danach, Altes Waschhaus der Kaiserswerther Diakonie, Kaiserswerth
  • 20. – 21.01.2005 - „Wege der Kommunikation. Menschen mit Behinderungen im Museum“, Horion Haus des Landschaftsverbandes Rheinland u. Wallraf-Richartz-Museum – Fondation Corboud, Köln
  • 20.02.2006 - „Wirkungsvolle Öffentlichkeitsarbeit für barrierefreie Museumsangebote“, Kunstmuseum Bonn
























 

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