Berichte aus dem Verein für Museumspädagogik Baden-Württemberg e.V.
2011
Bericht über die Einblicke-Tagung mit Mitgliederversammlung in Göppingen

Am 7. November war die Kunsthalle Göppingen Ziel unserer dritten Einblicke-Tagung in diesem Jahr. Werner Meyer, der Leiter der Kunsthalle und seiner Mitarbeiterin Lena Heel führten uns durch die Ausstellung „Klaus Heider: Über das Unvorstellbare – kosmisches Lichtbildarchiv“. Ein Schwerpunkt lag dabei auf den partizipatorischen Ansätzen einiger Werke von Klaus Heider.
Heiders Themen sind Kosmos, Planeten, universale Architektur, Energie und die Versuche des Menschen, unsichtbare, nur in der Vorstellung existente Dinge sichtbar zu machen. Parallel zur Führung gab Lena Heel Hinweise auf die Vermittlungsansätze für Kinder und Jugendliche. Wir konnten auch die Ergebnisse von Workshops und praktischen Arbeitsphasen betrachten und waren überrascht, wie das Weltall im Schuhkarton oder selbst erstellte Fotogramme die Kunstwerke von Klaus Heider aufnahmen und weiterentwickelten.
ies eine Überraschung. Aber das Literaturmuseum hatte vorgesorgt und so konnte man Museumspädagoginnen in hellgrüne Vliesdecken gehüllt durch die Ausstellung gehen sehen.
Neben den Führungen für Schulkassen und Kindergartengruppen gibt es offene Angebote wie den Kinderworkshop Malzeit, Kindervernissagen oder Gesprächsrunden mit Künstlern. Auch ein Jugendclub mit Namen ARTPARTMENT existiert seit etwa 10 Jahren.
Désirée Lempert und Lena Heel stellten dann das Projekt „Schule macht Museum – Museum macht Schule“ vor, bei dem für zwei Wochen eine zweiklassige Schule ihren Unterricht in die Kunsthalle verlegt hatte und den Unterricht an den ausgestellten Werken orientierte.
Am Nachmittag wurden das Stadtgeschichtliche Museum Im Storchen, das Jüdische Museum, das Naturkundliche Museum und die Ausstellung am Hohenstaufen von Dr. Karl-Heinz Ruess und Dr. Anton Heggele vorgestellt. Mit nur 2,5 Stellen und ehrenamtlichen Mitarbeitern werden die vier Häuser betrieben und museumspädagogisch betreut. Trotz räumlicher Enge und finanzieller Grenzen konnte in den letzten Jahren eine Vielzahl von Angeboten für Schulklassen entwickelt und durchgeführt werden. So werden die Kultur- und Naturgeschichte des Göppinger Raumes anschaulich gemacht. Ein besonderer Anreiz für die Schüler war dabei immer die Möglichkeit, ihre Arbeitsergebnisse auszustellen und so eine Erweiterung der Präsentation in den Museumsräumen zu schaffen.
Die Mitgliederversammlung des Vereins für Museumspädagogik Baden-Württemberg war leider nicht so gut besucht wie die vorhergehenden Präsentationen. Der Vorstand war darüber ein wenig enttäuscht, denn gerade die Mitgliederversammlung gibt die Möglichkeit, Wünsche zu äußern, die Arbeit des Vorstandes zu beurteilen und sich aktiv ins Vereinsgeschehen einzubringen und ins Gespräch zu kommen. So ergab sich dann auch keine Diskussion über inhaltliche Punkte und die kleine Versammlung hörte einen Rückblick auf die Vereinsarbeit im Jahr 2011, den Ausblick auf die geplanten Veranstaltungen im Jahr 2012. Hanno Hohenberger wurde als Kassenwart für die nächsten zwei Jahre wieder gewählt.
Für das Jahr 2012 bereitet der Vorstand eine zweitägige Tagung vor. Am 20./21. April beschäftigen wir uns mit dem Thema „Jugendliche im Museum“, das Donauschwäbische Zentralmuseum in Ulm wird unser Tagungsort sein.
Für die nächste Einblicke-Tagung ist ein Besuch der Ausstellung „Schädelkult“ im Reiß-Engelhorn-Museum in Mannheim geplant. Der Termin steht schon fest: Montag, 13. Februar 2012. Eine Informationsveranstaltung über die rechtliche Situation von freien Mitarbeitern wird im Herbst des Jahres 2012 voraussichtlich in Stuttgart angeboten.
Heike Vogel
Vorsitzende
Bericht über die Einblicke-Veranstaltung in Marbach

Am 11. Juli 2011 war der Verein für Museumspädagogik Baden-Württemberg zu Gast in Marbach am Neckar. Im Rahmen einer Einblicke-Tagung besuchten wir das Schiller-Nationalmuseum und das Literaturmuseum der Moderne. Eingestimmt durch die schöne Landschaft rund um die Schillerhöhe und die Architektur der beiden Museen wurden wir von der Leiterin der Abteilung Museen im Deutschen Literaturarchiv Marbach, Dr. Heike Gfrereis begrüßt und fachkundig von Verena Staack und Magdalena Hack durch die Ausstellungen geführt.
Sehr schnell stellte sich heraus, in einem Literaturmuseum gibt es überwiegend Exponate, die gelesen werden müssen. Manuskripte, Briefe, Notizen aber auch gedruckte Werke werden ausgestellt. Aus konservatorischen Gründen präsentiert das Museum die Exponate in abgedunkelten Räumen bei kühlen 18 Grad. Für uns, die wir alle sommerlich gekleidet nach Marbach gekommen waren, war dies eine Überraschung. Aber das Literaturmuseum hatte vorgesorgt und so konnte man Museumspädagoginnen in hellgrüne Vliesdecken gehüllt durch die Ausstellung gehen sehen.
Aber nicht nur „Flachware“ war zu finden. Schillers Strümpfe oder eine Sammlung seiner Haarlocken ließen den Starkult um den Dichter deutlich werden, der nach seinem Tod einsetzte.
Die museumspädagogischen Vermittlungsangebote wurden uns am Nachmittag vorgestellt. Für alle Altersgruppen hat das LiMO Programme vorbereitet. Einige Beispiele seien genannt: Bei den Grundschulklassen geht es um Erich Kästner oder um Geheimschriften, bei den älteren Schülern wird Poesie oder die Schulzeit Schillers in den Mittelpunkt gestellt. Für die Sekundarstufe II sind die Angebote auf die Abiturthemen ausgerichtet (Kafka) oder es werden Workshops zu Schiller oder auch zu zeitgenössischen Autoren und Autorinnen angeboten (z.B. Herta Müller). Weitere wichtige Veranstaltungen sind Ferienangebote und die Programme der Kulturakademie der Stiftung Kinderland Baden-Württemberg.
Am Ende der Einblicke-Veranstaltung waren wir beeindruckt von den vielfältigen Möglichkeiten, Literatur interessant zu vermitteln. Wir waren uns einig, dass ein Tag auf keinen Fall ausreicht, um in die Marbacher Literaturwelt einzutauchen und auch „Klassikmuffel“ mussten zugeben, dass Schiller ein wirklich spannendes Thema ist!
Heike Vogel
Vorsitzende
„Zwei von fünf“ – Einblicke in die städtischen Museen der Stadt Freiburg im Breisgau
Am Montag, den 7. Februar 2011 fand die dritte „Einblicke“- Veranstaltung statt, die von dem
Verein für Museumspädagogik Baden-Württemberg e.V. organisiert wurde.
Im Rahmen der Veranstaltungsreihe stellte Frau Heidi Fischer, die Leiterin der Abteilung
Kommunikation und Vermittlung zusammen mit Ihrem Team die zum Teil neu entwickelten
museumspädagogischen Konzepte für Kindergärten und Schulen zur kritischen Diskussion. Doch
zunächst ging es darum, zwei von den fünf städtischen Museen an dem Vor- und Nachmittag
kennen zu lernen. Im Fokus stand das am 21. März 2010 wieder eröffnete Augustinermuseum
samt seiner Dauersammlung und der aktuellen Ausstellung „Freiburg baroque“, die zum
dreihundertsten Geburtstag des Bildhauers, Malers und Architekten, Johann Christian Wentzinger
konzipiert wurde, sowie das Naturmuseum zusammen mit der aktuellen Sonderausstellung
„Bitterer Maniok“.
Pünktlich um 10.15 Uhr versammelten sich mehrere Duzend Museumspädagoginnen und eine
Handvoll Museumspädagogen in der Skulpturenhalle des Augustinermuseums. Nach einer
Begrüßung durch Herrn Dr. Tilmann von Stockhausen, den Leiter der fünf städtischen Museen (1.
das Augustinermuseum, 2. das Museum für neue Kunst, 3. Wentzingerhaus - Museum für
Stadtgeschichte, 4. das Archäologische Museum Colombischlössle und 5. das Naturmuseum),
nahmen wir – jeweils in zwei Gruppen aufgeteilt - an einer Kurzführung durch das Haus teil. Frau
Anna Deninotti führte unsere Gruppe im wahrsten Sinne des Wortes über eine „Erlebnistreppe“ in
das Dachgestühl. Nachdem wir schon auf dem Weg nach oben die zehn Meter hohen Propheten,
die Wasserspeier und die anderen heiligen Skulpturen und Tafelmeisterwerke aus
unterschiedlichen Perspektiven - durch die vielen Öffnungen, Nischen und Balkone - bewundern
konnten, genossen wir von oben die Aussicht auf den Münsterturm. Mehr Informationen zum
Münster, seinen Skulpturen und seinen ursprünglichen Standorten erhielten wir an der medialen
Station unten in der Skulpturenhalle. Beeindruckt waren wir nicht nur von der gelungenen
Präsentation der Meisterwerke des Mittelalters und des Barocks, sondern auch von der Farbwahl
in den jeweiligen hohen Museumsräumen sowie von der authentischen sakralen
Raumatmosphäre im Museum, wie sie sonst häufig in einer Emporenbasilika zu finden ist.
Fasziniert waren wir nicht zuletzt von dem Kaiserfenster und den vielen anderen farbigen
Glasfenstern, die an diesem Tag durch den Sonnenschein ganz besonderes leuchteten.
Schade, dass wir die sonst begehbare barocke Welte-Orgel der ehemaligen Gengenbacher
Abteikirche, an dem Tag nicht von Innen sehen konnten. Mehr Informationen über die
städtischen Museen finden Sie unter www.freiburg.de/museen. Ein Besuch lohnt sich auf jeden
Fall!

Das Mittelalter und der Barock sind natürlich für Kunsthistoriker, Historiker, Musiker und
Theologen zweifellos spannende Themen. Wie können wir aber die Kinder und die Jugendlichen
unserer technisierten und modernen Zeit für die Themen begeistern? Frau Fischer und ihr
museumspädagogisches Team möchten mit ihren Programmen bei den Vorschul- und
Grundschulkindern sowie bei den Jugendlichen Neugierde für die „schwierigen“, religiösen Inhalte
wecken. Sie entwickelten Zielgruppen gerichtete Konzepte für Kindergärten und Schulen, in dem
die Kinder und Jugendlichen primär in ihrer Welt abgeholt werden.
Noch vor der Mittagspause konnten wir einige neue Museumskonzepte für das
Augustinermuseum in Gruppenarbeiten aktiv unter die Lupe nehmen und uns selbst davon
überzeugen. Die Gruppe mit dem Sandstein-Symbol lernte das Konzept „Der Höllenhund und
seine Freunde – Die Wasserspeier des Freiburger Münsters“ kennen. Hier können die Kinder zum
Beispiel selbst Grimmasen und Fratzen machen und Bezüge zur Alemannischen Fastnacht ziehen.
Sie beschäftigen sich während der Führung im Museum unter anderem mit folgenden
Fragestellungen: Warum wurden die furchterregenden Sandsteinwasserspeier auf dem
Mauerwerk angebracht? Aus welchem Material bestehen sie und wie wurden sie im Mauerwerk
verankert?
 Die Gruppe mit dem Muschel-Symbol beschäftigte sich mit den Konzepten „Himmel
und Hölle – Weltbild im Mittelalter und heute“ sowie mit der Pilgerthematik. Pilgern ist heute
quasi ein Muss, wie uns Hape Kerkeling in seinem Buch „Und ich bin da mal weg“ humorvoll vor
Augen führt. Welche Ziele verfolgten aber die Menschen damals bei der Pilgerfahrt wie ist es
heute? Die Kinder dürfen sich hier mit dem Hl. Jacobus, dem Pilgerweg und seinen Accessoires
wie der Muschel, dem Stab und der Ledertasche auseinandersetzen. Die dritte Gruppe mit dem
Staffelei-Symbol übte sich im Sehen und begab sich auf eine „Perspektiven-Reise.“ Die
Schüler/Innen der Sekundarstufe II erhalten einen Fragebogen, den sie ausfüllen dürfen. Dabei
untersuchen sie unter dem Aspekt der Perspektive drei Tafelwerke aus dem 14./15. Jahrhundert
wie zum Beispiel den Flügelaltar mit Szenen der Passion Christi des Hausbuchmeisters. Mit
anderen Worten: die formale Entwicklungsgeschichte zur Perspektive steht hier primär im
Vordergrund nicht die Ikonographie. Aber vielleicht kommen die Schüler/Innen doch noch auf
den Geschmack und wollen mehr über die Darstellungen und die Inhalte erfahren?
Beeindruckt waren wir von der Vielfalt und Menge der museumspädagogischen Konzepte, die
nach dem Mittagessen in einer ungezwungenen Form präsentiert wurden. Die freien
Mitarbeiterinnen, welche die praktischen Programme zu den theoretischen Führungen konzipiert
hatten, stellten uns die Arbeiten aus der Ton-, Farb-, Druckwerkstatt vor und standen uns für
weitere Fragen zur Verfügung. Wir sind gespannt wie die neuen „Mix-Konzepte“ aus Theorie und
Praxis vor allem im Augustinermuseum von den Kindergärten und Schulen angenommen
werden?
Wir bedanken uns für die spannenden Einblicke, die gegenseitigen Anregungen und die
professionelle Organisation der Tagung. Um 16.20 Uhr begaben wir uns dann zufrieden auf den
Heimweg. Wir freuen uns auf die nächste „Einblicke“ Veranstaltung, die voraussichtlich im
Literaturmuseum in Marbach stattfinden wird.
Sabina Scheliga M.A.
Freie Kunsthistorikerin & Kunstvermittlerin
Kreativwerkstatt „Faszination Erde“
www.kreativwerkstatt-staufen.de
|