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Berichte aus dem Verein
für Museumspädagogik Baden-Württemberg e.V.

Archiv

Bericht zur Exkursionreihe "Einblicke"
22. November 2004 - Mit neuem Vorstand an Bord der Luftzigarre.
Friedrichshafen

Die Mitglieder-Versammlung und Exkursionsreihe „Einblicke“ führte zum Jahresende 2004 nach Friedrichshafen. Mit dem Zeppelin Museum war ein Veranstaltungsort gefunden, der durch La-ge, Architektur und Ausstellungsgestaltung jährlich Tausende an das nördliche Bodenseeufer lockt. Getagt wurde unter dem Obertitel „Zwischen Tourismus und Projektarbeit“. Eine überaus interessante und Ansprechende Führung durch das Museum leistete Frau Heike Vogel, die am Nachmittag mit Ihren Mitarbeiterinnen Einblicke in inhaltliche Ausprägung und Organisations-formen museumspädagogischen Arbeitens am Zeppelin Museum gab. Praktische Erkundungen durch die verschiedenen Arbeitsräume rundeten das Bild einer vielgestaltigen Vermittlungsar-beit am Museum ab. Durch leckeren Kuchen und Kaffe gestärkt verabschiedeten sich die Teil-nehmer nach einer kurzweiligen und interessanten Tagung gegen 18.00 Uhr.

Der Vorstand hatte an diesem Tag auch zur Mitgliederversammlung geladen, die nach dem Mittagessen stattfand. Mit der Anwesenheit von 15 stimmberechtigten Mitgliedern zeigte sich die Hoffnung auf rege Teilnahme erfüllt. Die erste Vorsitzende Frau Dr. Theune-Großkopf be-richtete über Aktivitäten des Vereins im abgelaufenen Geschäftsjahr 2003/2004. Alle vom Ver-ein initiierten Veranstaltungen und Fortbildungsseminare waren wieder auf breite Zustimmung gestoßen. Das Haus der Geschichte in Stuttgart und das Hornmoldhaus Bietigheim-Bissingen waren im Rahmen der „Einblicke“-Reihe in diesem Jahr besucht worden. Eine Kooperationsver-anstaltung mit dem Arbeitskreis für Museumspädagogik Bayern führte ins Edwin-Scharff-Museum nach Neu-Ulm. Thema der Tagung war Sinneswahrnehmung und Gedächtnissleistung auf Grundlage neuester Ergebnisse aus der Gehirnforschung. Dem Rückblick auf das abgeschlossene Geschäftsjahr schloß Frau Barbara Theune–Großkopf Dankesworte an Vorstandskolleginnen und Mitglieder an. Nach sechs Jahren zog sie sich zum Geschäftsjahreswechsel aus der Vorstandsarbeit zurück. Ralph Stephan der aus gesundheitli-chen Gründen in Friedrichshafen fehlte, trat ebenfalls nicht mehr zur Wahl an. Er wechselte auf die Bundesebene und arbeitet nunmehr im Bundesverband Museumspädagogik.
Nach Entlastung des Vorstands wurden Frau Petra Erler als stellvertretende Vorsitzende, Frau Ursula Köhler als Finanzreferentin und Frau Doris Moyrer als Schriftführerin wiedergewählt. Neu gewählt wurden Regina Ille-Kopp vom Museum Hornmoldhaus Bietigheim-Bissingen als erste Vorsitzende und Konrad Kopf vom Braith-Mali-Museum Biberach, der Ralph Stephan im Schwerpunkt Öffentlichkeitsarbeit im Vorstand nachfolgt. Den Dankesworten für die geleistete Arbeit schloß sich ein Ausblick ins kommende Geschäftsjahr an, bei dem wieder attraktive Ver-anstaltungen geplant sind. Zum Beispiel stehen die Neupräsentation des Modemuseums im Schloß Ludwigsburg, ein historisches Museum mit Themenschwerpunkt „Römerjahr“ und die Kunsthalle Karlsruhe mit „Theniers“ auf der Liste der Exkursionsziele in diesem Jahr.

Für den Vorstand
mit den besten Grüßen
Konrad Kopf




Stuttgart, Montag 25. November 2002
"Einblicke"-Exkursion zur Staatsgalerie Stuttgart

Vormittags: Führung durch die Sonderausstellung: Edouard Manet und die Impressionisten

Nachmittags: Präsentation der Arbeit der Kunstvermittlung an der Staatsgalerie

Man hatte es schon fast geahnt - das interessante Programm der Exkursionsreihe "Einblicke" in der Staatsgalerie Stuttgart entpuppte sich als schlauer Trick des Vorstands, möglichst viele Mitglieder des Vereines zur Mitgliederversammlung zu locken. Hat funktioniert - es fanden sich ca. 50 Teilnehmer zu dieser Veranstaltung ein.

Nach einem freundlichen Empfang ging es mit einigen Informationen zur Staatsgalerie gleich zur Sache. Auch an der Staatsgalerie gehen die schlechten Zeiten mit schwindenden Finanzmitteln nicht spurlos vorbei, so daß teure Großprojekte wie die Ausstellung "Edouard Manet und die Impressionisten" in Zukunft eher die Ausnahme sein werden. Statt dessen wird sich das Haus verstärkt auf die eigenen Bestände konzentrieren. Dies gilt auch für die umfangreiche grafische Sammlung, die demnächst ihr Domizil im neu errichteten Anbau beziehen wird.

Der Massenansturm an Vereinsmitgliedern machte es notwendig, die Manet-Ausstellung in zwei Gruppen unter der Führung von Frau Köhler und Frau Bächle zu durchstreifen. Die Ausstellung konzentriert sich auf das Spätwerk von Manet, die sehr umfangreiche Ausstellung zeigt neben der Malerei auch zahlreiche Grafiken.

Nach dem Mittagessen und der Mitgliederversammlung ging es - gestärkt durch Kaffee, Tee, Schokolade und andere Nervennahrung - in medias res: die Arbeit der Kunstvermittlung stand nun auf dem Programm. Als Einführung wurde das gedruckte Programmheft der Staatsgalerie vorgestellt. Diese Broschüre ist "zweigeteilt" und wird sowohl von der Kunstvermittlung als auch von der Öffentlichkeitsarbeit bestückt. Der für die Kunstvermittlung wichtigste Teil: der Tageskalender mit ca. 200 einzeln aufgelisteten Veranstaltungen pro Quartal. Die Angaben im Programm sind für die Kunstvermittlung verbindlich.

Noch immer machen Führungen das Gros der Veranstaltungen aus. Allerdings ist in den ca. 7 Jahren, die Frau Bächle an der Staatsgalerie wirkt, neben die verbale auch die praktische Vermittlung getreten; letztere wird nach und nach immer weiter ausgebaut. Ein wichtiger Schritt hierzu ist, daß die Kunstvermittlung seit kurzer Zeit den Hugo-Borst-Raum nutzen kann und (seit neuestem) dort auch ein Waschbecken zur Verfügung hat. Vorher mußten alle Aktionen in der Ausstellung stattfinden - mit dem zugehörigen Risiko ... Allerdings macht Not erfinderisch und hat zu interessantem "Farbersatz" geführt (z.B. das "Malen" von Linien mit Hilfe von bunten Schnüren). Die Kunstvermittlung hofft immer noch auf einen "echten" eigenen Raum, was aber aus finanziellen Gründen vorerst auf Eis gelegt ist. Kunstvermittlung und Öffentlichkeitsarbeit wurden statt dessen personell und finanziell aufgestockt.

Die telefonische Annahme von Führungen/Aktionen und die Einzelanmeldungen stellen einen erheblichen Arbeitsaufwand dar. Viele der im Quartalsprogramm angebotenen Veranstaltungen sind ohne Anmeldung zugänglich, da der zusätzliche Arbeitsaufwand nicht zu leisten wäre. Zwei Drittel aller Anmeldungen von Gruppen betreffen Schulklassen. Das restliche Drittel setzt sich aus allen Altersgruppen zusammen - vom Vorschulalter bis zur Pension, einzig die Studenten machen sich rar. Betreut werden die Gruppen von einem Team von freien Mitarbeitern. "Fest" für die Kunstvermittlung angestellt (Zeitverträge!) sind 3 Mitarbeiter.

"Für Kinder" wird jeden Freitag nachmittag veranstaltet. Fast entschlummert wurden die Kinderführungen mit einem neuen Konzept wiederbelebt - ein Monatsthema wurde eingeführt, welches auf Veranstalter und Teilnehmer sehr inspirierend wirkt. Nach 13 Monaten war der Andrang so groß, daß nach Alter getrennte Gruppen eingeführt werden mußten (7-13 Jahre / ab 8 Jahren, jeweils 14tägig). Da bei dieser offenen Veranstaltung prinzipiell kein Kind wieder weggeschickt wird, steht jedes Mal ein zweiter Mitarbeiter der Kunstvermittlung parat, um ggf. eine zweite Gruppe zu übernehmen. Das Kinderprogramm der Staatsgalerie wird zusätzlich in einer Stuttgarter Eltern-Kind-Zeitung angekündigt. Vorhersehbare Folge: die Eltern „wollten auch“. Dieses Ansinnen führte zur Konzeption der "KLEIN&groß"-Führungen. Eltern und Kids werden hier geteilt und auf unterschiedlichen Pfaden geführt. Irgendwann treffen sich beide Gruppen, je nach Thema wird dann auch praktisch zusammengearbeitet. Das Zusammenführen der Gruppen und der gemeinsame Teil der Aktion ist dabei ein sehr wichtiger Bestandteil des Konzeptes. Naturgemäß stellte sich heraus, daß auch viele kinderlose Erwachsene gerne praktisch arbeiten möchten. Deshalb wurde das "Kunstgespräch" für das nächste Jahr so umkonzipiert, daß es einmal im Monat mit praktischer Arbeit stattfinden wird.

Eines hat hier zum anderen geführt: jede Neuerung im Programm hat weitere Erweiterungen nach sich gezogen. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht.

Für die verschiedenen Zielgruppen bietet die Kunstvermittlung eine ganze Reihe speziell zugeschnittener Veranstaltungen/Führungen an. Die "Themenführungen" leben vom überaus treuen Publikum des Galerievereins (Freunde der Staatsgalerie Stuttgart) mit ca. 10.000 Mitgliedern. Die "Mittagsführungen" von nur einer halben Stunde Dauer richten sich an das werktätige Publikum mit wenig Zeit. Im Gegensatz dazu stehen die "Kunstgespräche" - hier liegt der Schwerpunkt auf der persönlichen intensiven Auseinandersetzung jedes Teilnehmers mit einem einzelnen Kunstwerk. Dazu kommen Spezialführungen wie "Kunstgespräche für Frauen" oder "Seniorenführungen" (fest im Programm, 14tägig). Diese Veranstaltungen werden gut angenommen, obwohl "für Frauen" eigentlich nicht mehr zeitgemäß ist. Für das Publikum mit Vorbildung, welches sich bei den Themenführungen unterfordert fühlt (i.d.R. Mitglieder des Galerievereins), werden "Seminare" mit praktisch-handwerklichem Teil angeboten.

Weitere Veranstaltungen wie Ferien-Workshops für Kinder, Lehrerfortbildungen oder Sonderveranstaltungen stehen ebenfalls auf dem Programm. Gute Erfahrungen wurden mit Thementagen gemacht - als Beispiel dienten die "Hasen", ein Thementag in Kooperation mit dem naturhistorischen Museum.

Schulklassen bekommen - nach Absprache mit dem jeweiligen Lehrer - eine jeweils maßgeschneiderte Aktion. Die Stuttgarter Klassen werden dabei vom museumspädagogischen Dienst Stuttgart betreut.

Auch die Staatsgalerie kann nicht mehr alle Aktionen kostenlos durchführen. Dementsprechend werden ab Januar auch von Kindern Materialkostenzuschüsse gezahlt werden müssen. Der Unkostenbeitrag der Ferien-Workshops ist nicht kostendeckend; Schulklassen und Vorschulgruppen kosten richtig Geld und belasten den Etat der Kunstvermittlung (ca. 70.000 EUR) erheblich. Der Tarif für die freien Mitarbeiter beträgt dabei 51 EUR pro Führung. Einzig bei den Thementagen ist der Unkostenbeitrag so bemessen, daß - zumindest theoretisch - kostendeckend gearbeitet werden kann.<>

Es stellte sich die Frage, inwieweit die Kunstvermittlung in die Vorplanung und Didaktik von Sonderausstellung einbezogen wird. Im Falle der Manet-Ausstellung konnte die Kunstvermittlung die seit langem bestehende Forderung der Besucher nach weiterführenden Informationen zu den Bildern erfüllen und hat entsprechende Objekttexte verfaßt. Als Vermittlungsangebot waren ursprünglich nur Führungen für Jugendliche (ab 7. Klasse) und Erwachsene ausgearbeitet worden. Überraschenderweise kam es zu einer großen Nachfrage nach Kinderführungen, so daß diese nachträglich noch in das Angebot aufgenommen worden sind. Je nach Thema und zur Verfügung stehender Zeit ist das Spektrum an eigenen Veranstaltungen zu Sonderausstellungen sehr unterschiedlich. Die Vorab-Einflußnahme der Kunstvermittlung variiert ebenfalls sehr stark und hängt vom Thema und natürlich auch vom zuständigen Konservator ab.

Experimente sind grundsätzlich möglich, aber es steckt doch noch sehr viel Staat in der Galerie. Dabei ist die Kunstvermittlung eigentlich in einer sehr guten Ausgangsposition: McKinsey war im Haus und hat - schriftlich - bescheinigt, daß die Staatsgalerie ohne Kunstvermittlung/Museumspädagogik nicht existieren kann. Dies hat jedoch keineswegs dazu geführt, daß die Kunstvermittlung mit zumindest einer festen Stelle ausgestattet wurde, um ein kontinuierliches Arbeiten zu sichern. Eine Änderung der Arbeitsbedingungen ist nicht in Sicht. Naturgemäß setzte hier eine muntere Diskussion ein: über die Kulturfeindlichkeit der Politik und der daraus resultierenden Folgen für die Arbeitsverträge, das gesellschaftliche Anerkenntnis und die finanzielle Ausstattung von Museen im allgemeinen und der Museumspädagogik im besonderen. Im Gegensatz zu Konservatoren werden gerade Museumspädagogen durch Kurzzeitarbeitsverträge von Bund, Ländern und Gemeinden als potentiell einsparbar angesehen. Den Abschluß bildete die Forderung einer Einmischung der Museumspädagogik in die Bildungspolitik - mit diesem Schlußsatz endete dann auch die sehr gelungene Veranstaltung.

Dr.des. Maren Siegmann



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